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Solarstrom: So triffst du die richtige Entscheidung zwischen Eigenverbrauch und Einspeisung
Alexander Simon
Autor, Experte & Berater
Soll der Strom vom eigenen Dach ins Netz fließen oder lieber im Haushalt verbraucht werden? Diese Frage hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Während früher die Einspeisevergütung der Hauptgrund für eine PV-Anlage war, ist heute der Eigenverbrauch der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit. Wir zeigen dir, was sich 2026 wirklich rechnet – mit konkreten Zahlen, Rechenbeispielen und klaren Empfehlungen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Eigenverbrauch schlägt Einspeisung: Selbst genutzter Strom spart ~27 Cent/kWh, Einspeisung bringt nur ~8 Cent/kWh
- Einspeisevergütung 2026: 7,78 Cent/kWh (Teileinspeisung) bzw. 12,35 Cent/kWh (Volleinspeisung)
- Strompreis 2026: Durchschnittlich ~35–40 Cent/kWh für Haushaltsstrom
- Eigenverbrauchsquote ohne Speicher: 25–35 % | mit Speicher: bis 80 %
- Empfehlung: Für die meisten Haushalte lohnt sich Teileinspeisung mit hohem Eigenverbrauch
Die zentrale Erkenntnis: Warum Eigenverbrauch heute gewinnt
Die Mathematik ist eindeutig: Jede Kilowattstunde Solarstrom, die du selbst verbrauchst, spart dir den vollen Strompreis – also rund 35–40 Cent. Für jede eingespeiste Kilowattstunde bekommst du dagegen nur 7–8 Cent (bzw. 12 Cent bei Volleinspeisung). Das ist ein Unterschied von fast 30 Cent pro kWh.
☀️ Eigenverbrauch
Ersparnis pro kWh selbst genutztem Solarstrom (vermiedener Netzstrombezug)
🔌 Einspeisung
Vergütung pro kWh eingespeistem Solarstrom (Teileinspeisung, bis 10 kWp)
Das bedeutet: Selbst genutzter Solarstrom ist etwa 4-mal so viel wert wie eingespeister Strom. Deshalb lautet die Devise 2026: Maximiere deinen Eigenverbrauch – und speise nur den Überschuss ein.
Aktuelle Vergütungssätze 2026
Die Einspeisevergütung wird halbjährlich (1. Februar und 1. August) um 1 % gesenkt. Hier sind die aktuellen Sätze:
| Anlagengröße | Teileinspeisung (mit Eigenverbrauch) | Volleinspeisung |
|---|---|---|
| bis 10 kWp | 7,78 Cent/kWh | 12,35 Cent/kWh |
| 10–40 kWp | 6,73 Cent/kWh | 10,35 Cent/kWh |
| 40–100 kWp | 5,40 Cent/kWh | 10,35 Cent/kWh |
Stand: Februar 2026. Gilt für Anlagen, die bis 31. Juli 2026 in Betrieb gehen.
Teileinspeisung vs. Volleinspeisung: Was ist der Unterschied?
| Kriterium | Teileinspeisung (Überschusseinspeisung) | Volleinspeisung |
|---|---|---|
| Prinzip | Solarstrom wird zuerst selbst genutzt, Überschuss wird eingespeist | 100 % des Solarstroms fließt ins Netz |
| Vergütung (bis 10 kWp) | 7,78 Cent/kWh | 12,35 Cent/kWh |
| Eigenverbrauch | Ja – der Hauptvorteil | Nein – kein Eigenverbrauch möglich |
| Wirtschaftlichkeit | Für die meisten Haushalte besser | Nur bei sehr geringem Stromverbrauch sinnvoll |
| Wechsel möglich? | Ja, jährlich bis 30.11. für das Folgejahr | Ja, jährlich bis 30.11. für das Folgejahr |
Rechenbeispiel: Was lohnt sich mehr?
Ein konkretes Beispiel für einen 4-Personen-Haushalt mit einer 10-kWp-Anlage:
📊 Vergleichsrechnung: Teileinspeisung vs. Volleinspeisung
Annahmen:
PV-Anlage: 10 kWp | Jahresertrag: 10.000 kWh | Strompreis: 35 Cent/kWh | Stromverbrauch: 4.500 kWh/Jahr
☀️ Szenario A: Teileinspeisung
🔌 Szenario B: Volleinspeisung
Ergebnis: Die Teileinspeisung mit 30 % Eigenverbrauch bringt 360 € mehr pro Jahr als die Volleinspeisung. Mit höherem Eigenverbrauch (z.B. 50–70 % durch einen Speicher) wird der Vorteil noch deutlicher.
Mit Speicher: Eigenverbrauch auf 70 % steigern
📊 Szenario C: Teileinspeisung mit Stromspeicher
Gleiche Anlage, aber mit 10-kWh-Speicher:
🔋 Mit Speicher (70 % Eigenverbrauch)
⚡ Ohne Speicher (30 % Eigenverbrauch)
Ergebnis: Mit Speicher erhöht sich der jährliche Vorteil um 1.088 €. Bei Speicherkosten von ca. 6.000–8.000 € amortisiert sich der Speicher in 6–8 Jahren.
Eigenverbrauch steigern: 5 bewährte Methoden
Je höher dein Eigenverbrauch, desto wirtschaftlicher wird deine PV-Anlage. Hier sind die effektivsten Maßnahmen:
Stromspeicher
Speichert überschüssigen Tagesstrom für Abend und Nacht. Erhöht Eigenverbrauch von ~30 % auf 60–80 %.
E-Auto + Wallbox
Mit intelligenter Wallbox lädst du das Auto gezielt mit Solarstrom. 3.000–5.000 kWh zusätzlicher Verbrauch pro Jahr.
Wärmepumpe
Nutzt Solarstrom zum Heizen und für Warmwasser. Besonders effektiv im Sommer und in der Übergangszeit.
Energiemanagement-System
Steuert Geräte intelligent: Waschmaschine, Geschirrspüler, Heizstab starten automatisch bei Sonnenschein.
Verbrauchsverhalten anpassen
Große Verbraucher (Waschen, Trocknen, Kochen) in die Mittagszeit verlegen – kostenlos und effektiv.
Heizstab im Warmwasserspeicher
Überschüssiger Solarstrom erwärmt das Brauchwasser. Günstige Ergänzung für bestehende Heizungen.
Eigenverbrauchsquote nach Konfiguration
Wann lohnt sich trotzdem Volleinspeisung?
In wenigen Sonderfällen kann die Volleinspeisung die bessere Wahl sein:
🎯 Volleinspeisung kann sinnvoll sein, wenn:
Sehr geringer Stromverbrauch
Bei unter 2.000 kWh Jahresverbrauch und großer Dachfläche kann Volleinspeisung konkurrenzfähig werden.
Niemand tagsüber zuhause
Wenn du Vollzeit arbeitest, kein Home-Office machst und keine Möglichkeit hast, Verbraucher zeitlich zu steuern.
Große Gewerbedächer ohne Eigenverbrauch
Lagerhallen, Scheunen oder Freiflächen, wo kein nennenswerter Stromverbrauch stattfindet.
Speicher + E-Auto nicht geplant
Wenn auch langfristig kein höherer Eigenverbrauch realistisch ist, kann Volleinspeisung einfacher sein.
☀️ Wie hoch ist dein Sparpotenzial?
Lass dir berechnen, wie viel du mit Eigenverbrauch vs. Einspeisung wirklich sparen kannst.
Solarspitzengesetz: Was ändert sich 2025/2026?
⚠️ Solarspitzengesetz (seit 25. Februar 2025)
Neue Regel: Für Anlagen ab Februar 2025 gibt es keine Einspeisevergütung mehr, wenn der Börsenstrompreis negativ ist. Das passiert, wenn mehr Strom erzeugt als verbraucht wird – typischerweise an sonnigen Wochenenden.
Kompensation: Der 20-Jahres-Vergütungszeitraum verlängert sich um diese Phasen. Unter dem Strich verlierst du also kaum Einnahmen.
Für Eigenverbrauch: Kein Problem – Solarstrom, den du selbst verbrauchst oder speicherst, ist davon nicht betroffen. Ein Grund mehr für hohen Eigenverbrauch!
Eigenverbrauch vs. Einspeisung: Vor- und Nachteile
Teileinspeisung mit Eigenverbrauch
✅ Vorteile
- Höchste Wirtschaftlichkeit für die meisten Haushalte
- Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen
- Jede kWh Eigenverbrauch spart ~35 Cent
- Autarkie bis 80 % mit Speicher möglich
- Flexibel erweiterbar (E-Auto, Wärmepumpe)
- Nicht betroffen von negativen Strompreisen
⚠️ Nachteile
- Niedrigere Einspeisevergütung (7,78 statt 12,35 Cent)
- Erfordert optimiertes Verbrauchsverhalten
- Speicher erhöht Anfangsinvestition
- Zweirichtungszähler erforderlich
Volleinspeisung
✅ Vorteile
- Höhere Vergütung pro kWh (12,35 statt 7,78 Cent)
- Kein Stromspeicher nötig
- Einfachere Abrechnung
- Sinnvoll bei geringem Eigenverbrauch
⚠️ Nachteile
- Keine Ersparnis beim Strompreis
- Abhängig von sinkender Vergütung
- Keine Autarkie möglich
- Betroffen von negativen Strompreisen
- Geringere Gesamtrendite als Eigenverbrauch
Häufige Fragen zu Eigenverbrauch und Einspeisung
Fazit: Eigenverbrauch ist der Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit
Die Zeiten, in denen sich PV-Anlagen allein durch die Einspeisevergütung rentierten, sind vorbei. 2026 gilt:
- Eigenverbrauch maximieren – jede selbst genutzte kWh spart etwa 35 Cent
- Teileinspeisung ist für die meisten Haushalte ideal – Eigenverbrauch plus Einspeisung als Bonus
- Speicher lohnt sich oft – erhöht Eigenverbrauch von 30 % auf 70 %+
- E-Auto und Wärmepumpe sind perfekte Ergänzungen – sie steigern den Eigenverbrauch und die Rendite
- Volleinspeisung nur in Sonderfällen – bei sehr geringem Verbrauch oder Gewerbedächern ohne Nutzung
Die Investition in eine PV-Anlage rechnet sich heute vor allem durch die Ersparnis beim Strompreis – nicht durch die Einspeisevergütung. Je mehr du deinen Solarstrom selbst nutzt, desto schneller amortisiert sich die Anlage und desto höher ist deine langfristige Rendite.
Alexander Simon
Alexander Simons ist freier Autor und Solarenthusiast mit einer Leidenschaft für erneuerbare Energien. Auf diesem Blog teilt er praxisnahe Tipps, aktuelle Entwicklungen und fundiertes Wissen rund um Photovoltaik – verständlich aufbereitet für Einsteiger und Profis.
