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Solarpanel reinigen: Wann es sich wirklich lohnt und mit welchen Kosten du rechnen musst

Alexander Simon

Autor, Experte & Berater

Solarpanel reinigen: Wann es sich wirklich lohnt und mit welchen Kosten du rechnen musst

Müssen Solarmodule überhaupt gereinigt werden? Die kurze Antwort: meistens nicht – aber manchmal sehr wohl. Regen und Schnee halten die meisten Anlagen ausreichend sauber. Doch unter bestimmten Bedingungen können Verschmutzungen die Erträge erheblich mindern. Wir zeigen dir, wann sich eine Reinigung wirklich rechnet, was sie kostet und wann du besser die Finger davon lässt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Selbstreinigung funktioniert meist: Bei Dachneigung ab 15° spült Regen den meisten Schmutz weg
  • Typischer Ertragsverlust: 2–5 % durch normale Verschmutzung, bis zu 20–40 % in Extremfällen
  • Kosten professionelle Reinigung: 1,50–3,50 € pro m² (50–150 € für typische Hausanlage)
  • Reinigungsintervall: Alle 2–5 Jahre ausreichend, bei Landwirtschaft/Industrie jährlich
  • Selbst reinigen? Nur bei sicherem Zugang (Flachdach) – Absturzgefahr auf Schrägdächern!

Brauchen Solarmodule überhaupt eine Reinigung?

Moderne Solarmodule sind erstaunlich pflegeleicht. Sie verfügen oft über spezielle Beschichtungen mit Lotuseffekt: Wasser perlt ab und nimmt dabei Staub und Pollen mit. Bei ausreichender Dachneigung (ab 15°) funktioniert diese natürliche Reinigung durch Regen meist gut.

2–5%
Typischer Ertragsverlust durch normale Verschmutzung
15–40%
Ertragsverlust bei starker Verschmutzung (Landwirtschaft)
3–4%
Weltweite Ertragsminderung durch „Soiling“ laut Fraunhofer

Die Bundesnetzagentur geht von etwa 3–5 % Ertragsminderung pro Jahr durch Verschmutzungen aus – ein Wert, der bei den meisten Anlagen kaum ins Gewicht fällt. Problematisch wird es erst, wenn hartnäckige Ablagerungen wie Vogelkot, Moos oder Industrieemissionen hinzukommen.

Welche Verschmutzungen mindern den Ertrag?

Nicht jeder Schmutz ist gleich problematisch. Hier sind die typischen Verschmutzungsarten und ihre Auswirkungen:

🌿
Staub & Pollen
Ertragsverlust: 2–5 %
Wird meist durch Regen weggespült
🐦
Vogelkot
Ertragsverlust: 5–15 %
Ätzend, kann sich ins Glas einbrennen
🌾
Landwirtschaftliche Emissionen
Ertragsverlust: 15–40 %
Ammoniak, Staub, Futtermittel
🍂
Laub & organisches Material
Ertragsverlust: 5–10 %
Sammelt sich am Modulrand
🏭
Industrieruß & Abgase
Ertragsverlust: 5–15 %
Fettige, hartnäckige Beläge
🌱
Moos & Flechten
Ertragsverlust: 10–20 %
Siedeln sich an Modulrändern an
⚠️ Hotspot-Gefahr durch Verschmutzung: Wenn ein Teil eines Moduls verschattet ist (z.B. durch Vogelkot), kann sich dieser Bereich stark erhitzen – sogenannte „Hotspots“ erreichen über 100 °C und können das Modul dauerhaft schädigen.

Wann lohnt sich eine Reinigung? Der Standort-Check

Ob sich eine Reinigung wirtschaftlich lohnt, hängt stark vom Standort und der Dachneigung ab:

🟢 Geringe Verschmutzung

Wohngebiet, Dachneigung ab 15°, keine Bäume direkt am Haus, regelmäßiger Niederschlag

Reinigung: alle 4–5 Jahre oder nie nötig
🟡 Mittlere Verschmutzung

Ländliche Lage, Bäume in der Nähe, Vogelbestand, leichte Industrieemissionen

Reinigung: alle 2–3 Jahre
🔴 Starke Verschmutzung

Landwirtschaftsbetrieb, Flachdach (<10°), Nähe zu Industrie/Autobahn, Taubenbesatz

Reinigung: jährlich notwendig
Faustformel: Je steiler das Dach und je weniger Emissionsquellen in der Nähe, desto seltener muss gereinigt werden. Ab 15° Neigung funktioniert die Selbstreinigung durch Regen meist ausreichend.

Mit welchen Kosten musst du rechnen?

Die Kosten für eine professionelle Reinigung hängen von der Anlagengröße und dem Verschmutzungsgrad ab:

Anlagengröße Fläche (ca.) Kosten Reinigung Kosten pro kWp
5 kWp ~30 m² 50–90 € 10–18 €
10 kWp ~55 m² 80–175 € 8–18 €
15 kWp ~85 m² 130–250 € 9–17 €
20 kWp ~110 m² 165–330 € 8–17 €

Preise: 1,50–3,00 €/m² je nach Zugänglichkeit und Verschmutzungsgrad. Quelle: Marktrecherche 2025/2026.

Kostenübersicht für 10-kWp-Anlage (~55 m²)

Reinigung (Profi)
80–175 €
Wartung + Reinigung
150–300 €
DIY-Ausrüstung
100–200 € (einmalig)
💡 Spartipp: Viele Fachbetriebe bieten die Reinigung zusammen mit der jährlichen Wartung an. Das spart Anfahrtskosten und du bekommst beides in einem Termin erledigt.

Lohnt sich die Reinigung? Rechenbeispiel

Die entscheidende Frage: Kostet dich die Verschmutzung mehr als die Reinigung? Hier eine konkrete Rechnung:

📊 Beispielrechnung: 10-kWp-Anlage

Annahmen:
Anlage: 10 kWp | Jahresertrag: 10.000 kWh | Strompreis/Eigenverbrauch: 35 Cent/kWh
Reinigungskosten: 120 €

✅ Szenario A: Reinigung lohnt sich
Ertragsverlust durch Schmutz:5 %
Verlorene kWh/Jahr:500 kWh
Finanzieller Verlust:175 €/Jahr
Reinigungskosten:120 €
Ersparnis: +55 €/Jahr
❌ Szenario B: Reinigung lohnt sich nicht
Ertragsverlust durch Schmutz:2 %
Verlorene kWh/Jahr:200 kWh
Finanzieller Verlust:70 €/Jahr
Reinigungskosten:120 €
Verlust: -50 €/Jahr

Fazit: Bei nur 2 % Ertragsverlust lohnt sich die Reinigung noch nicht. Ab etwa 3–4 % Verlust wird sie wirtschaftlich sinnvoll – vorausgesetzt, die Reinigung stellt den vollen Ertrag wieder her.

Ab welchem Ertragsverlust lohnt sich die Reinigung?

Anlagengröße Reinigungskosten Break-Even Ertragsverlust
5 kWp (5.000 kWh/Jahr) ~70 € ab ~4 % Verlust
10 kWp (10.000 kWh/Jahr) ~120 € ab ~3,5 % Verlust
15 kWp (15.000 kWh/Jahr) ~180 € ab ~3,5 % Verlust

Berechnung bei 35 Cent/kWh Stromwert (Eigenverbrauch). Bei reiner Einspeisung (8 Cent/kWh) muss der Verlust deutlich höher sein.

Selbst reinigen oder Profi beauftragen?

Die Versuchung ist groß, die Module selbst zu putzen. Aber Vorsicht: Die Risiken sind erheblich.

✅ Professionelle Reinigung

  • Sicherheit durch Absturzsicherung
  • Entmineralisiertes Wasser (keine Kalkflecken)
  • Schonende Spezialausrüstung
  • Versicherungsschutz bei Schäden
  • Erfahrung mit empfindlichen Modulen
  • Garantie bleibt erhalten

⚠️ Risiken bei Selbstreinigung

  • Absturzgefahr auf Schrägdächern
  • Mikrorisse durch Betreten der Module
  • Beschädigung durch falsche Reinigungsmittel
  • Kalkflecken durch hartes Leitungswasser
  • Stromschlaggefahr bei beschädigten Modulen
  • Garantieverlust bei Beschädigung
⚠️ Sicherheitswarnung: Die Reinigung von Modulen auf Schrägdächern ist für Laien lebensgefährlich! Professionelle Firmen haben Absturzsicherungen und Versicherungsschutz. Die paar Euro Ersparnis sind das Risiko nicht wert.

Wann du selbst Hand anlegen kannst

Eine Eigenreinigung ist nur unter folgenden Bedingungen vertretbar:

  • Anlage auf Flachdach oder vom Boden/Fenster erreichbar
  • Sicherer Zugang ohne Absturzgefahr
  • Nur leichte Verschmutzung (Staub, Pollen)
  • Verwendung von weichem Wasser und sanften Mitteln
  • Module werden nicht betreten

Das darfst du auf keinen Fall tun

  • Hochdruckreiniger verwenden (beschädigt Dichtungen)
  • Scharfe oder ätzende Reinigungsmittel nutzen
  • Bei direkter Sonneneinstrahlung reinigen (Thermischer Schock)
  • Module betreten (Mikrorisse!)
  • Kratzschwämme oder harte Bürsten verwenden
  • Ohne Absturzsicherung aufs Dach steigen

☀️ Lass deine PV-Anlage vom Profi prüfen

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So funktioniert die professionelle Reinigung

1
🔍
Sichtprüfung

Verschmutzungsgrad und Zugänglichkeit werden bewertet

2
💧
Osmosewasser

Entmineralisiertes Wasser verhindert Kalkflecken

3
🧹
Weiche Bürsten

Teleskopstangen mit Mikrofaser oder Rotationsbürsten

4
Trocknung

Rückstandsfreies Abtrocknen ohne Schlieren

Profi-Equipment: Seriöse Reinigungsfirmen nutzen entmineralisiertes Osmosewasser, rotierende Waschbürsten an Teleskopstangen und verzichten komplett auf chemische Reinigungsmittel. Einige setzen sogar Reinigungsroboter ein.

Der beste Zeitpunkt für die Reinigung

🌸 Frühjahr (März–April)

Ideal: Nach dem Pollenflug, vor den sonnenreichen Monaten. Die Anlage startet sauber in die ertragsstärkste Zeit.

🌅 Frühmorgens oder Abends

Module sind kühl – kein thermischer Schock durch kaltes Wasser auf heißem Glas. Reinigungsmittel trocknen nicht sofort ein.

☁️ Bewölkter Tag

Perfekte Bedingungen: Module sind nicht aufgeheizt, Wasser trocknet langsam und schlierenfrei.

💡 Tipp: Vermeide die Reinigung an heißen Sommertagen zur Mittagszeit. Der plötzliche Temperaturunterschied zwischen heißem Modulglas (~70 °C) und kaltem Wasser kann das Glas beschädigen (thermischer Schock).

Woran erkennst du einen seriösen Reinigungsbetrieb?

  • Verwendung von Osmosewasser (kein normales Leitungswasser)
  • Absturzsicherung und Arbeitsschutzausrüstung
  • Keine Hochdruckreiniger oder aggressive Chemikalien
  • Haftpflichtversicherung für eventuelle Schäden
  • Transparente Preisgestaltung (€/m² oder Festpreis)
  • Zertifizierung (z.B. OQS-Siegel für Solaranlagen-Reinigung)

Häufige Fragen zur Solarmodul-Reinigung

Reinigt sich eine PV-Anlage nicht von selbst durch Regen?
Teilweise ja. Bei Dachneigungen ab 15° und regelmäßigem Niederschlag werden lose Verschmutzungen wie Staub und Pollen meist abgespült. Hartnäckiger Schmutz wie Vogelkot, Moos oder Industrieemissionen bleiben jedoch haften und müssen manuell entfernt werden.
Wie oft sollte ich meine Solaranlage reinigen lassen?
Das hängt stark vom Standort ab. In normalen Wohngebieten mit steilem Dach reicht oft alle 3–5 Jahre oder gar keine Reinigung. Bei landwirtschaftlichen Betrieben, Flachdächern oder in der Nähe von Industrieanlagen kann eine jährliche Reinigung sinnvoll sein.
Was kostet eine professionelle Reinigung?
Rechne mit 1,50–3,50 € pro Quadratmeter Modulfläche. Für eine typische 10-kWp-Anlage (~55 m²) liegen die Kosten bei 80–175 €. Größere Anlagen werden oft günstiger pro Quadratmeter, da die Anfahrtskosten verteilt werden.
Kann ich meine Solarmodule mit einem Hochdruckreiniger säubern?
Nein, auf keinen Fall! Der hohe Wasserdruck kann die Dichtungen zwischen Glas und Rahmen beschädigen, Wasser kann eindringen und Elektronik korrodieren. Außerdem entstehen durch den Druck Mikrorisse in den Solarzellen. Verwende stattdessen einen Gartenschlauch mit geringem Druck oder beauftrage einen Fachbetrieb.
Welches Wasser sollte ich für die Reinigung verwenden?
Am besten entmineralisiertes Wasser (Osmosewasser), da es keine Kalkflecken hinterlässt. Normales Leitungswasser kann Kalkrückstände bilden, die den Ertrag erneut mindern. Regenwasser ist eine gute Alternative, wenn du es sammeln kannst.
Wie erkenne ich, ob meine Module gereinigt werden müssen?
Vergleiche die aktuellen Erträge mit den Vorjahreswerten (bei ähnlichem Wetter). Wenn die Leistung ohne ersichtlichen Grund sinkt, könnte Verschmutzung die Ursache sein. Auch sichtbare Ablagerungen, Vogelkot oder Grünbelag am Modulrand sind klare Indikatoren.
Verliere ich meine Garantie, wenn ich selbst reinige?
Ja, bei unsachgemäßer Reinigung kann die Herstellergarantie erlöschen. Beschädigungen durch Hochdruckreiniger, scharfe Reinigungsmittel oder Betreten der Module sind typische Gründe. Professionelle Reinigungsfirmen haben eine Haftpflichtversicherung, die eventuelle Schäden abdeckt.
Muss ich die Module vor der Reinigung abschalten?
Nein, eine Abschaltung ist bei der Nassreinigung mit Wasser normalerweise nicht nötig. Allerdings solltest du die Reinigung nur bei ausgeschaltetem Wechselrichter durchführen, wenn erkennbare Schäden an Modulen oder Kabeln vorliegen. Im Zweifel: Fachbetrieb beauftragen.
Lohnt sich ein Reinigungsroboter für Privathaushalte?
Für typische Hausanlagen (5–15 kWp) lohnt sich die Anschaffung eines eigenen Reinigungsroboters nicht. Die Geräte kosten mehrere tausend Euro und sind für größere Anlagen ab ~100 m² konzipiert. Für Privathaushalte ist die professionelle Reinigung alle paar Jahre deutlich günstiger.
Was kann ich tun, um Verschmutzung vorzubeugen?
Wähle eine ausreichende Dachneigung (ab 15°), halte Bäume zurückgeschnitten, installiere ggf. Taubenabwehr und überwache die Erträge regelmäßig. Module mit hydrophober Beschichtung (Lotuseffekt) bleiben länger sauber. Bei Flachdächern kann eine leichte Aufständerung helfen.

Fazit: Reinigung mit Augenmaß

Die gute Nachricht: Die meisten Photovoltaikanlagen brauchen keine regelmäßige Reinigung. Regen und Schnee erledigen den Großteil der Arbeit. Nur unter bestimmten Bedingungen – Flachdach, Landwirtschaft, Industrienähe, starker Vogelbefall – ist eine professionelle Reinigung wirtschaftlich sinnvoll.

  • Beobachte die Erträge: Sinken sie ohne Grund, könnte Verschmutzung die Ursache sein
  • Rechne nach: Reinigung lohnt sich erst ab ca. 3–5 % Ertragsverlust
  • Sicherheit geht vor: Auf Schrägdächern nur vom Profi reinigen lassen
  • Wartung kombinieren: Reinigung zusammen mit der jährlichen Inspektion buchen
  • Standort beachten: Landwirtschaft und Industrie erfordern häufigere Reinigung

Im Zweifel gilt: Lieber einmal zu wenig als einmal zu viel reinigen – und wenn, dann immer vom Fachbetrieb mit dem richtigen Equipment.

Alexander Simon

Alexander Simons ist freier Autor und Solarenthusiast mit einer Leidenschaft für erneuerbare Energien. Auf diesem Blog teilt er praxisnahe Tipps, aktuelle Entwicklungen und fundiertes Wissen rund um Photovoltaik – verständlich aufbereitet für Einsteiger und Profis.

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