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Photovoltaik Dachziegel: Solardachziegel als unauffällige Lösung fürs Dach
Alexander Simon
Autor, Experte & Berater
Solarmodule auf dem Dach sind effizient – aber nicht jeder findet schwarze Kästen auf Schienen schön. Wenn du Strom erzeugen willst, ohne die Optik deines Hauses zu verändern, sind Photovoltaik-Dachziegel eine spannende Alternative.
In diesem Ratgeber zeige ich dir, was Photovoltaik-Dachziegel können, was sie kosten, welche Hersteller es gibt und wann sie sich wirklich lohnen – inklusive einer ehrlichen Einschätzung, ob die Technologie für dein Dach die richtige Wahl ist.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓ Photovoltaik-Dachziegel erzeugen Strom und ersetzen gleichzeitig die herkömmliche Dacheindeckung – von außen kaum von normalen Ziegeln zu unterscheiden
- ✓ Die Kosten liegen bei 330–420 € pro m² bzw. 25–35 € pro Ziegel – das sind rund 60–80 % mehr als klassische Aufdach-Solarmodule
- ✓ Der Wirkungsgrad liegt mit 10–20 % unter dem von Standardmodulen (20–25 %) – du brauchst also mehr Fläche für die gleiche Leistung
- ✓ Photovoltaik-Dachziegel lohnen sich vor allem bei Neubauten, Dachsanierungen und denkmalgeschützten Gebäuden – bei intakten Bestandsdächern sind Aufdach-Module wirtschaftlicher
- ✓ Wichtige Hersteller in Deutschland: Autarq, Nelskamp, SolteQ, BMI/Braas und seit 2025 auch Jackery mit 25 % Wirkungsgrad
Was sind Photovoltaik-Dachziegel?
Photovoltaik-Dachziegel – auch Solardachziegel, Solarziegel oder Solar Roof Tiles genannt – sind Dachziegel mit integrierten Solarzellen. Sie ersetzen die herkömmliche Dacheindeckung komplett und erzeugen gleichzeitig Strom aus Sonnenlicht.
Es gibt zwei grundsätzliche Bauformen:
- Ziegel mit eingebetteten Solarzellen: Gewöhnliche Ziegel aus Keramik, Ton oder Kunststoff, in deren Vertiefung kleine Solarzellen eingesetzt werden. Von außen kaum sichtbar
- Komplett-Solarziegel aus Quarzglas: Der gesamte Ziegel besteht aus einem Glasmodul mit integrierten Solarzellen – höherer Wirkungsgrad, aber auch teurer
Ein Photovoltaik-Dachziegel hat in der Regel die Größe von 2–6 normalen Ziegeln. Pro Quadratmeter Dachfläche brauchst du etwa 12–14 Solarziegel. Die einzelnen Ziegel werden über Steckverbindungen auf der Unterseite elektrisch miteinander verbunden und an einen Wechselrichter angeschlossen.
Photovoltaik-Dachziegel vs. Aufdach-Module vs. Indach-PV
| Kriterium | Solardachziegel | Indach-Module | Aufdach-Module |
|---|---|---|---|
| Optik | Nahezu unsichtbar, wie normale Ziegel | Elegant, glatte Fläche | Sichtbar aufgesetzt |
| Wirkungsgrad | 10–20 % | 20–22 % | 20–25 % |
| Kosten pro kWp | 2.500–4.000 € | ~1.900 € | 1.200–1.600 € |
| Kosten pro m² | 330–420 € | 350–550 € | 165–250 € |
| Installation | Sehr aufwendig (Ziegel für Ziegel) | Komplex (Abdichtung) | Standard, viele Anbieter |
| Lebensdauer | 20–30 Jahre | 25–35 Jahre | 25–40 Jahre |
| Ideal für | Denkmalschutz, Neubau | Neubau, Dachsanierung | Bestandsgebäude |
Was kosten Photovoltaik-Dachziegel?
Die Kosten für Photovoltaik-Dachziegel liegen deutlich über denen klassischer Solarmodule. Hier die aktuellen Preise 2026:
| Kostenfaktor | Solardachziegel | Aufdach-PV (Vergleich) |
|---|---|---|
| Preis pro Ziegel | 25–35 € | – (Module: 65–200 €/Stück) |
| Preis pro m² | 330–420 € | 165–250 € |
| Preis pro kWp | 2.500–4.000 € | 1.200–1.600 € |
| 7-kWp-Anlage komplett | ~23.500 € | ~11.200 € |
| 10-kWp-Anlage komplett | ~30.000–35.000 € | ~14.000–16.000 € |
Die Mehrinvestition gegenüber einer klassischen Aufdach-Solaranlage beträgt bei einer 7-kWp-Anlage rund 12.300 € – das ist eine erhebliche Summe, die du über den Mehrertrag kaum aufholen kannst.
Allerdings relativiert sich der Aufpreis in zwei Fällen: Beim Neubau entfallen die Kosten für herkömmliche Dachziegel (25–50 €/m²) und Dachdeckerarbeit. Bei einer Dachsanierung müssen die alten Ziegel ohnehin runter – dann kostet die Solar-Alternative nur den Differenzbetrag.
💡 Rechenbeispiel: Neubau vs. Bestand
Bei einem Neubau sparst du ca. 100–150 €/m² für die konventionelle Dacheindeckung. Bei 50 m² sind das 5.000–7.500 € weniger Mehrkosten. Damit liegt der effektive Aufpreis für Photovoltaik-Dachziegel gegenüber Aufdach-PV bei einem Neubau bei ca. 5.000–8.000 € statt 12.000+ € im Bestand.
Hersteller von Photovoltaik-Dachziegeln in Deutschland
| Hersteller | Produkt | Wirkungsgrad | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Autarq | Solardachziegel (Braas-kompatibel) | ~15 % | Deutsches Unternehmen, passt auf Standard-Dachziegel-Formate, funktioniert mit allen Braas-Ziegeln |
| SolteQ | Quad40 Solardachziegel | ~17 % | Deutsches Unternehmen aus Oberfranken, verschiedene Farben verfügbar |
| Nelskamp | MS 5 2Power / G10 PV | ~16 % | Traditionsunternehmen für Dachziegel, liefert normale und Solar-Ziegel aus einer Hand |
| BMI / Braas | Solar Flat 5 | ~16 % | Einer der größten europäischen Dachziegelhersteller |
| Jackery | XBC Solardachziegel | ~25 % | Seit 2025 auf dem Markt, gebogene PV-Dachziegel mit Spitzen-Wirkungsgrad, 170 Wp/m² |
| Tesla | Solar Roof | ~19 % | Bekanntester Name, aber in Deutschland schwer verfügbar und sehr teuer |
Ein interessanter Neuling: Jackery hat 2025 gebogene XBC-Solardachziegel auf den Markt gebracht, die mit über 25 % Wirkungsgrad und 170 Wp/m² erstmals an die Effizienz klassischer Module herankommen. Die nur 0,13 mm dünnen kristallinen Siliziumzellen erreichen eine bisher unerreichte Leistungsdichte für Solarziegel.
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Vorteile von Photovoltaik-Dachziegeln
- Unsichtbare Stromproduktion: Kaum von normalen Ziegeln zu unterscheiden – das Dach sieht aus wie ein ganz normales Ziegeldach, produziert aber Strom
- Denkmalschutz-kompatibel: Dort wo Aufdach-Module und selbst Indach-Photovoltaik nicht genehmigt werden, sind Solarziegel oft die einzige Option
- Doppelfunktion: Dacheindeckung und Stromerzeugung in einem – beim Neubau sparst du die herkömmlichen Ziegel
- Sturmfest: Sitzen bündig auf der Dachlatte, bieten Wind kaum Angriffsfläche
- Wertsteigerung: Eine optisch ansprechende Solarlösung steigert den Immobilienwert stärker als sichtbare Aufdach-Module
Nachteile von Photovoltaik-Dachziegeln
- Deutlich teurer: 60–80 % mehr als klassische Aufdach-PV. Eine 7-kWp-Anlage kostet ca. 23.500 € statt 11.200 €
- Geringerer Wirkungsgrad: 10–20 % statt 20–25 % bei Standardmodulen. Du brauchst mehr Fläche für die gleiche Leistung
- Sehr aufwendige Montage: Jeder einzelne Ziegel wird auf der Dachlatte verlegt und verkabelt – die Montagekosten liegen 15–25 % über Aufdach-Systemen
- Wenige Anbieter: Der Markt für Photovoltaik-Dachziegel ist noch klein – es gibt deutlich weniger Installateure als für Aufdach-Systeme
- Komplizierter Austausch: Ist ein einzelner Ziegel defekt, muss er aus dem Verbund gelöst werden – aufwendiger als bei Aufdach-Modulen
- Eingeschränkte Hinterlüftung: Wie bei Indach-Photovoltaik fehlt der Luftspalt – das kann bei Hitze den Ertrag um 3–10 % reduzieren
⚠️ Ehrliche Einschätzung
Rein wirtschaftlich betrachtet lohnen sich Photovoltaik-Dachziegel bei einem intakten Bestandsdach nicht. Die Mehrkosten von über 12.000 € gegenüber einer Aufdach-Anlage holst du über die Lebensdauer kaum wieder rein. Solarziegel sind eine Entscheidung für die Optik – nicht für die Rendite. Ausnahme: Neubau, Dachsanierung oder Denkmalschutz.
Wann lohnen sich Photovoltaik-Dachziegel?
| Situation | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Neubau | Prüfen ✅ | Konventionelle Dachziegel entfallen → Aufpreis sinkt erheblich |
| Dachsanierung | Prüfen ✅ | Alte Ziegel müssen ohnehin runter → guter Zeitpunkt |
| Denkmalschutz | Oft einzige Option ✅ | Aufdach und Indach häufig nicht genehmigungsfähig |
| Hoher Optik-Anspruch | Abwägen | Wenn dir die Ästhetik den Aufpreis wert ist |
| Intaktes Bestandsdach | Nicht empfohlen ❌ | Aufdach-Module sind 60–80 % günstiger bei besserem Wirkungsgrad |
Förderungen für Photovoltaik-Dachziegel
Photovoltaik-Dachziegel gelten rechtlich als Photovoltaikanlage – es greifen also die gleichen Förderungen wie bei klassischen Solarmodulen:
- 0 % MwSt.: Seit 2023 entfällt die Mehrwertsteuer – auch auf Photovoltaik-Dachziegel
- KfW-Programm 270: Zinsgünstiger Kredit für die PV-Anlage
- Einspeisevergütung: 7,78 ct/kWh bei Teileinspeisung (bis 10 kWp), 20 Jahre garantiert
- BEG-Förderung (bei Dachsanierung): Die Dacheindeckung als Teil der Gebäudehülle kann über die BEG EM förderfähig sein – zinsgünstiger Kredit bis 120.000 € mit bis zu 20 % Tilgungszuschuss
Photovoltaik-Dachziegel mit Speicher kombinieren
Wie bei jeder PV-Anlage gilt auch bei Photovoltaik-Dachziegeln: Ein Batteriespeicher steigert den Eigenverbrauch erheblich. Ohne Speicher nutzt du nur rund 30 % deines erzeugten Solarstroms selbst – mit Speicher sind 60–80 % möglich.
Da Photovoltaik-Dachziegel pro Quadratmeter weniger Leistung liefern als Standardmodule, ist ein Energiemanagementsystem hier besonders wichtig: Es sorgt dafür, dass jede erzeugte Kilowattstunde optimal genutzt wird. Einen Überblick über die aktuellen Stromspeicher-Kosten findest du in unserem separaten Ratgeber.
Technische Anforderungen
- Neigungswinkel: Mindestens 15–20 Grad, damit Regenwasser sicher abfließt
- Wechselrichter: Funktioniert identisch wie bei Standardmodulen. Ein Modell mit mehreren MPP-Trackern ist empfehlenswert
- Dachfläche: Du brauchst ca. 30–40 % mehr Fläche als bei Standardmodulen für die gleiche Leistung in kWp
- Schneelast: Muss bei der Statik berücksichtigt werden – Solarziegel sind etwas schwerer als normale Dachziegel
- Erdung: Eine korrekte Erdung ist auch bei Solardachziegeln Pflicht
- Reinigung: Durch die ziegelartige Oberfläche setzt sich etwas mehr Schmutz ab als bei glatten Modulen. Eine regelmäßige Reinigung kann den Ertrag um 5–10 % steigern
Häufig gestellte Fragen
Was kosten Photovoltaik-Dachziegel?+
Photovoltaik-Dachziegel kosten 2026 zwischen 330 und 420 € pro Quadratmeter bzw. 25–35 € pro Stück. Eine komplette 10-kWp-Anlage kostet 30.000–35.000 €. Das sind rund 60–80 % mehr als eine vergleichbare Aufdach-Solaranlage. Beim Neubau relativiert sich der Aufpreis, da die herkömmliche Dacheindeckung (100–150 €/m²) entfällt.
Lohnen sich Solardachziegel wirtschaftlich?+
Rein wirtschaftlich lohnen sich Photovoltaik-Dachziegel bei intakten Bestandsdächern nicht – der Aufpreis gegenüber Aufdach-Modulen ist zu hoch. Bei Neubauten und Dachsanierungen sieht die Rechnung besser aus, weil die konventionelle Dacheindeckung entfällt. Bei Denkmalschutz sind Solarziegel oft die einzige legale Option. Prüfe vorab immer, ob Indach-Module als günstigere Alternative infrage kommen.
Wie hoch ist der Wirkungsgrad von Solardachziegeln?+
Der Wirkungsgrad herkömmlicher Solarziegel liegt bei 10–20 %, während klassische Solarmodule 20–25 % erreichen. Eine Ausnahme: Die neuen Jackery XBC-Solardachziegel erreichen seit 2025 über 25 % Wirkungsgrad und 170 Wp/m² – damit schließen sie erstmals die Effizienzlücke zu Standardmodulen.
Welche Hersteller gibt es in Deutschland?+
Die wichtigsten Hersteller von Photovoltaik-Dachziegeln in Deutschland sind Autarq (kompatibel mit Braas-Ziegeln), SolteQ (Made in Germany), Nelskamp (traditionsreicher Ziegelhersteller), BMI/Braas und seit 2025 Jackery mit innovativen XBC-Solarziegeln. Tesla bietet das Solar Roof zwar an, ist in Deutschland aber schwer verfügbar und sehr teuer. Lass dich am besten über eine Photovoltaik-Beratung zu den verfügbaren Optionen in deiner Region beraten.
Gibt es Förderungen für Photovoltaik-Dachziegel?+
Ja, die gleichen Förderungen wie für klassische PV-Anlagen: 0 % MwSt. seit 2023, KfW-Programm 270 (zinsgünstiger Kredit), EEG-Vergütung für eingespeisten Strom (7,78 ct/kWh). Bei einer Dachsanierung kann die Gebäudehüllen-Komponente zusätzlich über die BEG EM gefördert werden. Regionale Kommunalförderungen kommen je nach Standort dazu.
Alexander Simon
Alexander Simons ist freier Autor und Solarenthusiast mit einer Leidenschaft für erneuerbare Energien. Auf diesem Blog teilt er praxisnahe Tipps, aktuelle Entwicklungen und fundiertes Wissen rund um Photovoltaik – verständlich aufbereitet für Einsteiger und Profis.
