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Zweirichtungszähler: Was er ist, was er kostet und ob du ihn wirklich brauchst
Alexander Simon
Autor, Experte & Berater
Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, braucht einen besonderen Stromzähler: den Zweirichtungszähler. Doch was macht er genau? Ist er Pflicht? Und was kostet das Ganze? Hier erfährst du alles, was du 2026 über Zweirichtungszähler wissen musst – inklusive der neuen Smart-Meter-Regelungen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Funktion: Misst Strombezug aus dem Netz UND Einspeisung deiner PV-Anlage
- Pflicht: Ja, bei jeder PV-Anlage mit Netzeinspeisung
- Kosten: 20–50 € pro Jahr (gesetzlich gedeckelt)
- Smart-Meter-Pflicht ab 2025: Bei PV-Anlagen ab 7 kWp, Wärmepumpen, Wallboxen
- Einbau: Kostenfrei durch Messstellenbetreiber – nur Zählerschrankumbau kostet extra
Was ist ein Zweirichtungszähler?
Ein Zweirichtungszähler ist ein Stromzähler, der den Stromfluss in beide Richtungen messen kann. Das ist wichtig, wenn du eine Photovoltaikanlage betreibst:
- Strombezug: Wie viel Strom du aus dem öffentlichen Netz beziehst (nachts, bei schlechtem Wetter)
- Stromeinspeisung: Wie viel überschüssigen Solarstrom du ins Netz einspeist
Ohne diese getrennte Erfassung wäre keine korrekte Abrechnung möglich – weder für deinen Stromverbrauch noch für die Einspeisevergütung, die du für deinen Solarstrom erhältst.
So liest du den Zweirichtungszähler ab
Moderne digitale Zweirichtungszähler zeigen abwechselnd zwei Werte auf dem Display an. Diese werden mit OBIS-Codes gekennzeichnet:
📊 Die zwei wichtigen Anzeigen auf deinem Zähler
Welche Zählertypen gibt es?
Je nach Anlage und gesetzlichen Anforderungen kommen unterschiedliche Zähler zum Einsatz:
Digitaler Zweirichtungszähler
Moderne Messeinrichtung (mME) mit LCD-Display. Misst Bezug und Einspeisung getrennt, speichert Werte detailliert.
✅ Standard für PV-Anlagen bis 7 kWp
✅ Gesetzlich gedeckelte Kosten
Smart Meter (iMSys)
Intelligentes Messsystem mit Kommunikationsmodul (Gateway). Überträgt Daten automatisch an den Netzbetreiber.
✅ Pflicht bei PV ab 7 kWp
✅ Ermöglicht dynamische Stromtarife
✅ Fernablesung
Ferraris-Zähler (veraltet)
Alter analoger Zähler mit Drehscheibe. Würde bei Einspeisung rückwärts laufen – das ist verboten!
❌ Nicht erlaubt für PV-Anlagen
❌ Muss ausgetauscht werden
Brauchst du einen Zweirichtungszähler? Pflicht erklärt
Die kurze Antwort: Ja, wenn du Strom einspeist. Laut Bundesnetzagentur muss jede Stromentnahme und jede Einspeisung ins Netz gemessen werden.
🔍 So findest du heraus, was du brauchst
PV-Anlage bis 7 kWp
Digitaler Zweirichtungszähler oder Smart Meter
PV-Anlage ab 7 kWp
Smart Meter (Pflicht seit 2025)
Mit Wärmepumpe/Wallbox
Smart Meter (Pflicht seit 2025)
Balkonkraftwerk
Zähler mit Rücklaufsperre reicht (oft schon vorhanden)
Was ist mit Balkonkraftwerken?
Für Balkonkraftwerke bis 800 Watt gilt eine Übergangsregelung: Falls du noch einen alten Ferraris-Zähler ohne Rücklaufsperre hast, darf dieser vorübergehend weiter genutzt werden. Der Netzbetreiber muss dann innerhalb von 4 Monaten nach deiner Anmeldung im Marktstammdatenregister einen passenden Zähler einbauen.
Smart-Meter-Pflicht 2025/2026: Das gilt jetzt
Mit dem Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) hat Deutschland den Fahrplan für intelligente Stromzähler festgelegt. Seit 2025 ist der Smart-Meter-Einbau für viele Haushalte Pflicht:
| Du brauchst ein Smart Meter, wenn… | Status |
|---|---|
| PV-Anlage mit mehr als 7 kWp Leistung | ✅ Pflicht seit 2025 |
| Wärmepumpe (ab 4,2 kW, nach 01.01.2024 installiert) | ✅ Pflicht seit 2025 |
| Wallbox (ab 4,2 kW, nach 01.01.2024 installiert) | ✅ Pflicht seit 2025 |
| Jahresstromverbrauch über 6.000 kWh | ✅ Pflicht seit 2025 |
| PV-Anlage bis 7 kWp | Optional (mME reicht) |
| Balkonkraftwerk | Optional (Rücklaufsperre reicht) |
Der Rollout-Fahrplan
Ende 2025
Mindestens 20 % der Pflichtfälle mit Smart Meter ausgestattet
Ende 2028
Mindestens 50 % der Pflichtfälle ausgestattet
Ende 2030
Mindestens 95 % der Pflichtfälle ausgestattet
Ende 2032
90 % aller deutschen Haushalte mit Smart Meter
Was kostet ein Zweirichtungszähler?
Die gute Nachricht: Die jährlichen Kosten sind gesetzlich gedeckelt. Der Einbau ist bei Pflichtfällen kostenlos.
| Zählertyp / Situation | Jährliche Kosten | Einbaukosten |
|---|---|---|
| Digitaler Zweirichtungszähler (mME) | max. 20–25 € | Kostenlos |
| Smart Meter (Verbrauch bis 6.000 kWh) | max. 20 € | Kostenlos |
| Smart Meter (Verbrauch 6.000–10.000 kWh) | max. 50 € | Kostenlos |
| Smart Meter (PV 7–15 kWp) | max. 50 € | Kostenlos |
| Smart Meter (Wärmepumpe/Wallbox) | max. 50 € | Kostenlos |
| Freiwilliger Smart-Meter-Einbau | bis 100 € | max. 30–100 € |
Wer zahlt was?
- Jährliche Gebühren: Zahlt der Anschlussnehmer (Eigentümer). Bei Mietwohnungen umlagefähig als Betriebskosten.
- Einbau bei Pflichtfall: Kostenlos durch Messstellenbetreiber
- Zählerschrankumbau: Zahlt der Eigentümer
- Freiwilliger Einbau: Einmaliges Entgelt von max. 30–100 €
So läuft der Zählerwechsel ab
Du musst dich um den Wechsel nicht selbst kümmern – der Messstellenbetreiber (meist dein Netzbetreiber) übernimmt das:
PV-Anlage anmelden
Nach der Anmeldung deiner PV-Anlage im Marktstammdatenregister (MaStR) erhält der Netzbetreiber automatisch die Information.
Netzbetreiber prüft
Der Netzbetreiber prüft, ob dein aktueller Zähler geeignet ist oder getauscht werden muss.
Ankündigung (3 Monate vorher)
Du wirst mindestens 3 Monate vor dem Einbau schriftlich informiert. Du kannst auch einen anderen Messstellenbetreiber wählen.
Einbau (30–60 Min.)
Ein Techniker tauscht den alten Zähler und montiert den neuen. Bei Smart Metern wird auch das Gateway installiert.
Fertig!
Ab jetzt werden Bezug und Einspeisung getrennt erfasst. Bei Smart Metern erfolgt die Ablesung automatisch.
Zweirichtungszähler vs. Zwei separate Zähler
Alternativ zum Zweirichtungszähler könntest du auch zwei separate Zähler installieren lassen – einen Bezugszähler und einen Einspeisezähler. Das ist aber in den meisten Fällen unpraktisch:
Zweirichtungszähler
- Platzsparend: Nur ein Gerät
- Günstiger in der Miete
- Ein Ansprechpartner für alles
- Moderne Displays, einfaches Ablesen
- Bei Smart Metern: Fernablesung
Zwei separate Zähler
- Doppelter Platzbedarf
- Doppelte Kosten möglich
- Zwei Geräte warten & ablesen
- Kaum noch praktiziert
- Kein Vorteil für Verbraucher
Vorteile eines Smart Meters
Auch wenn der Smart Meter mit etwas höheren Kosten verbunden ist, bietet er einige Vorteile:
- Dynamische Stromtarife: Seit 2025 müssen alle Stromanbieter variable Tarife anbieten. Mit einem Smart Meter kannst du günstige Börsenstunden nutzen (z. B. nachts den Speicher laden).
- Automatische Ablesung: Kein lästiges Ablesen und Melden mehr – die Daten werden automatisch übertragen.
- Verbrauchstransparenz: Über Apps siehst du deinen Verbrauch in Echtzeit und kannst Stromfresser identifizieren.
- §14a EnWG-Bonus: Wer eine steuerbare Verbrauchseinrichtung (Wärmepumpe, Wallbox) hat, erhält reduzierte Netzentgelte.
- Netzstabilität: Smart Meter helfen, Überlastungen im Stromnetz frühzeitig zu erkennen.
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Seriöse Fachbetriebe kümmern sich um alles: Von der Anlagenplanung über den Zählerwechsel bis zur Anmeldung.
Eigenverbrauch berechnen mit dem Zweirichtungszähler
Der Zweirichtungszähler zeigt dir nur Bezug und Einspeisung. Um deinen Eigenverbrauch zu berechnen, brauchst du zusätzlich den Wert deiner PV-Produktion (vom Wechselrichter oder einem separaten Ertragszähler):
Eigenverbrauch (kWh) = Gesamtproduktion (kWh) – Einspeisung (kWh)
Beispiel: Deine PV-Anlage produziert 8.000 kWh im Jahr. Laut Zählerstand 2.8.0 hast du 5.000 kWh eingespeist. Dein Eigenverbrauch beträgt also 3.000 kWh.
Häufige Fragen zum Zweirichtungszähler
Fazit: Der Zweirichtungszähler ist Pflicht – aber kein Problem
Wenn du eine PV-Anlage betreibst, brauchst du einen Zweirichtungszähler oder ein Smart Meter. Die gute Nachricht: Du musst dich um fast nichts kümmern. Der Messstellenbetreiber baut das Gerät ein, die Kosten sind gesetzlich gedeckelt, und die jährlichen Gebühren bleiben überschaubar.
Zusammenfassung:
- PV bis 7 kWp: Digitaler Zweirichtungszähler reicht – max. 20–25 €/Jahr
- PV ab 7 kWp: Smart Meter Pflicht seit 2025 – max. 50 €/Jahr
- Mit Wärmepumpe/Wallbox: Smart Meter Pflicht – aber Netzentgelt-Bonus möglich
- Balkonkraftwerk: Zähler mit Rücklaufsperre reicht – Netzbetreiber tauscht bei Bedarf
Der einzige potenzielle Stolperstein: ein veralteter Zählerschrank. Prüfe vorab, ob dein Zählerschrank den aktuellen Normen entspricht, um böse Überraschungen zu vermeiden.
Alexander Simon
Alexander Simons ist freier Autor und Solarenthusiast mit einer Leidenschaft für erneuerbare Energien. Auf diesem Blog teilt er praxisnahe Tipps, aktuelle Entwicklungen und fundiertes Wissen rund um Photovoltaik – verständlich aufbereitet für Einsteiger und Profis.
